Wilhelm Dähn Stiftung startet Sanierung von 100 Wohnungen

Im Gespräch mit Oliver Moll, Vorstandsvorsitzender der Wilhelm Dähn Stiftung, Foto: privat
Blick auf die Wohnanlage der Wilhelm-Dähn-Stiftung heute, Foto: Wilhelm Dähn Stiftung

Nach Jahren der Planung, zahlreichen Rückschlägen und immer neuen Herausforderungen kann das Sanierungsprojekt der Wilhelm Dähn Stiftung im Hamburger Stadtteil Rissen nun starten: 100 bezahlbare Wohnungen für ältere und bedürftige Menschen werden energetisch modernisiert und barrierearm umgebaut. Die Arbeiten sollen Mitte Juni 2026 beginnen. Im Interview spricht Vorstandsvorsitzender Oliver Moll über den langen Weg bis zum Baustart und die Bedeutung des Projekts für bezahlbares Wohnen im Alter in Hamburg.

Nach rund acht Jahren Planung und vielen Rückschlägen: Was ging Ihnen durch den Kopf, als die Finanzierung endlich stand?
Oliver Moll: Nicht viel, außer einer gewissen Leere und Freudentränen um ehrlich zu sein. Wir alle haben fast einen Tag gebraucht, um diese Information wirklich zu verarbeiten. Dann wurde kurz gefeiert und uns allen wurde bewusst, was jetzt auf uns zukommt. Es ist verflixt schwierig nach acht Jahren Planungszeit binnen weniger Wochen auf „Bau“ umzustellen. Der richtige Bauablauf war und ist noch eine große Herausforderung, denn wir haben aufgrund von Fristen der KFW Bank ein bestimmtes Datum, an dem wir fertig sein müssen. Das wird ziemlich eng, aber wir arbeiten da auch schon an einer guten Lösung und vertrauen letztlich unseren Partnern bei der KFW.

Die Stiftung modernisiert Wohnungen für ältere Menschen mit sehr kleinem Einkommen. Warum ist dieses Projekt aus Ihrer Sicht auch gesellschaftlich wichtig für Hamburg?
Oliver Moll:
Auf dem freien Hamburger Wohnungsmarkt würden unsere Mieter keine entsprechende Wohnung bekommen. Entweder reicht das Einkommen nicht oder es gibt schlicht solche Angebote nicht am Markt. Unsere Mieter sind beim Einzug meistens zwischen 54 und 65 Jahre alt. Sie sind fit, haben aber nur eine sehr kleine Rente. Diese Menschen wollen nicht alle in „Altersheime“ oder „Servicewohnen“.
Wir wenden uns mit unserem Angebot an Menschen, die aus den verschiedensten Gründen etwas anderes suchen. Und genau das bieten wir an. Nach der Sanierung sind die Wohnungen barrierefrei und energetisch in einem tollen Zustand. Angebote wie unseres gibt es leider viel zu wenige in der Stadt, daher haben wir auch vor allem von den Förderinstituten so viel gute Unterstützung erhalten, denn es steckt politischer und gesellschaftlicher Wille dahinter, das Projekt zu ermöglichen.

Was verändert sich für die Bewohnerinnen und Bewohner konkret durch die Sanierung?
Oliver Moll: Wir ermöglichen den Mietern länger bei uns zu leben. Das gelingt mit barrierefreien Zugängen, neuen Wohnungsgrundrissen und vielen weiteren Maßnahmen. Tatsächlich bauen wir im bewohnten Bestand unsere alten Gebäude zu KFW55-EE und KFW70-EE Gebäuden um und zeitgleich schaffen wir Barrierearmut und sanieren alle Leitungsstränge. Wenn wir fertig sind, profitieren die Mieter von dem neuen energetischen Standard, kommen einfach in ihre Wohnungen und genießen schwellenfreie Bäder. Es wird auch mehrere Rollstuhlgerechte Wohnungen geben. Insgesamt wird der Wohnkomfort vom Jahr 1960 in das Jahr 2027 katapultiert.

Der Baustart rückt jetzt tatsächlich näher. Worauf kommt es in den kommenden Wochen organisatorisch besonders an?
Oliver Moll: Den Überblick behalten. Selbst mit einem erfahrenen Generalplaner und Projektsteuerer an der Seite ist es manchmal schwierig, alle Prioritäten richtig im Blick zu haben. Da sind die Bedingungen unserer Förderer die Hamburgische Investitions- und Förderbank (IFB) und die KFW. Da sind die Bauverträge und Versicherungen; alle Mitarbeitenden und die Gewerke sind ständig zu orchestrieren, letzte Entscheidungen müssen schnell gefällt werden und die Mieterkommunikation muss verstärkt werden.
Auch die Mieter sind momentan mit der Situation „überfahren“. Acht Jahre ist nichts passiert, außer ständige Absichtserklärungen und jetzt Volldampf? Viele haben es uns erst geglaubt, als plötzlich Bauzäune standen. Und da kommen natürlich sehr viele Fragen aus individueller Sicht hoch, die wir teilweise aufgrund der komplexen Planung noch gar nicht beantworten können. Ein Tanz auf dem Drahtseil. Tatsächlich sind wir alle froh, wenn endlich die Kräne laufen und wir in einen „geordneten Bauablauf“ eintreten.
Welche Komplexität es mich sich bringt, sechs Häuser sowohl komplett von innen, als auch von außen im bewohnten Zustand zu sanieren, verstehen leider die wenigsten. Ich befürchte, dass muss man erleben, um es zu verstehen. Zeitweise haben wir mit 30 Köpfen und einer KI geplant und bestimmte Fragen bearbeitet. Das alles nicht nur als ehrenamtlicher Vorstand, sondern auch als verantwortlicher Projektleiter zu wuppen, ist auch für mich ein Meisterstück.

Gab es in den vergangenen Jahren einen Moment, in dem Sie dachten, das Projekt könnte scheitern, und was hat Sie dennoch weitermachen lassen?
Oliver Moll:
Einen? Davon gab es leider zu viele Momente. Finanzierbarkeit, Austausch von Partnern, häufige Neuplanungen durch Corona, Ukrainekrise, Inflation und Baukostenexplosion oder überraschend lange, zähe Genehmigungs- und Prüfzeiträume. Die Liste wird ein Buch füllen. Daher ist entscheidend, was mich und mein Team hat weitermachen lassen: Das Schicksal unserer Mieter, wenn wir scheitern. Hätten wir nicht erfolgreich weitergemacht, wäre das absehbar das Ende der Stiftung in Ihrer heutigen Form gewesen. Wir hätten mehrere Gebäude verkaufen müssen, um einen Teil zu retten, denn die Geschäftsbanken wollten uns wegen der niedrigen Mieten und hohen Baukosten nicht finanzieren. Der Erfolg war daher einfach unabdingbar. Letztlich war es der Glaube daran, dass niemand vom Team oder in der Politik so ein Projekt wirklich scheitern lassen wollte und will.

Was zeigt Ihr Projekt über die aktuellen Herausforderungen beim sozialen und altersgerechten Wohnen in Hamburg?
Oliver Moll: Die Komplexität der Aufgabe wird klar unterschätzt. Die althergebrachten Planungsschritte taugen nicht für eine Sanierung im Bestand. Alle Akteure müssen zeitnah und zielgerichtet zusammenarbeiten. Wer nur auf seine Themen schaut und nicht das große Ganze im Blick hat wird scheitern. Es braucht Profis in diesem Thema und die Erkenntnis, dass eine ganzheitliche Planung bis zur Ausführungsplanung erforderlich ist, bevor ein Start möglich ist. Wenn wir die Planungsprozesse nicht straffen und ganzheitlich zusammenfassen, werden wir zeitnah die anstehenden Probleme nicht lösen. Wir brauchen klare Förderstrukturen und schnelle Entscheidungen, damit eine verlässliche Planung zeitnah steht. Zeit ist der größte Feind in der Planungsphase.
Und wir brauchen Geschäftsbanken, die auch wieder Kreditrisiken eingehen. Da wurden wir komplett im Stich gelassen. Es kamen Sprüche wie: „Erhöhen Sie doch die Mieten, dann bekommen Sie auch mehr Geld“. Ohne den massiven Einsatz der IFB wären wir gescheitert. Es braucht also vor allem Willen, gute Partner und auch Glück.

Vielen Dank Herr Moll für das Gespräch. 

Ansicht vom Gelände nach der Sanierungsmaßnahme mit angrenzender Nachbarbebauung, Rendering: FRANK Immobilien und Lebensformate GmbH
Grundriss einer Wohneinheit nach erfolgter Sanierung, FRANK Immobilien und Lebensformate GmbH
Zum Inhalt springen