Digitale Assistenzsysteme: Mehr Lebensqualität im Alter?

Gabriele Schröder, Beratungszentrum für technische Hilfen und Wohnraumanpassung bei Barrierefrei Leben e. V., Hamburg, Foto: privat
Individuelle Beratung und Erprobung vor Ort hilft bei Berührungsängsten mit neuer Technik, Foto: Barrierefrei Leben e.V.

Ein möglichst langes und selbstbestimmtes Leben in den eigenen vier Wänden – das wünschen sich viele Menschen. Digitale Assistenzsysteme können dabei wertvolle Unterstützung leisten: Von intelligenten Notruflösungen über Sturzsensoren bis hin zu automatisierten Beleuchtungs- oder Erinnerungssystemen gibt es heute zahlreiche Möglichkeiten, den Alltag zu erleichtern. Doch welche Lösungen sind wirklich sinnvoll und worauf sollten Interessierte achten? Darüber sprechen wir mit Gabriele Schröder vom Beratungszentrum für technische Hilfen und Wohnraumanpassung bei Barrierefrei Leben e. V. – Aktuelle Fördermöglichkeiten und Zuschüsse finden Sie hier im Download. 

Welche digitalen Assistenzlösungen, auch Ambient Assisted Living (AAL)-Systeme genannt, sind bei Ihnen besonders nachgefragt
Gabriele  Schröder: Wir sprechen in der Beratung lieber von alltagsunterstützenden Assistenzlösungen, denn genau darum geht es: Welche Technik kann dabei helfen, möglichst lange und selbstbestimmt in den eigenen vier Wänden zu leben?
Die Nachfragen beziehen sich auf verschiedene Lebensbereiche. Sehr häufig beginnen die Herausforderungen bereits an der Haustür. Wenn eine Tür nicht mehr selbstständig geöffnet werden kann, stellen sich Fragen wie: Wer steht vor der Tür? Wie kann mit der Person gesprochen werden? Und wie kann sie gegebenenfalls hereingelassen werden? Dafür gibt es gut nachrüstbare Systeme, mit denen Kommunikation und Türöffnung bequem vom Lieblingsplatz aus möglich sind.
Ein weiteres häufiges Thema ist Sicherheit im Alltag. Durch gut erreichbare oder automatisierte Lichtsteuerungen können Stürze verhindert werden. Es gibt Herdüberwachungssysteme, die bei großer Hitze den Herd abschalten und Wohnungsbrände verhindern.
Angehörige fragen zudem oft nach Notruflösungen für alleinlebende Personen.
Wenn das Smartphone oder das Tablet nicht mehr gut bedient werden können, werden einfache Kommunikationslösungen gesucht. Viele Angehörige sind berufstätig und wohnen nicht in der Nähe.

Für wen eignen sich AAL-Systeme?
Gabriele Schröder: Die Systeme eignen sich besonders für Menschen, die aufgrund von Alter, Erkrankung oder Behinderung Unterstützung im Alltag benötigen und dennoch möglichst selbstständig in ihrem vertrauten Zuhause leben möchten.
Auch für pflegende An- und Zugehörige können solche Lösungen eine wichtige Entlastung sein, weil sie Sicherheit geben können und helfen, Veränderungen im Alltag frühzeitig wahrzunehmen.
Viele Menschen mit gesundheitlichen Einschränkungen leben allein, während nachbarschaftliche Netzwerke heute oft weniger verlässlich sind als früher. In solchen Situationen können technische Systeme beruhigend wirken. Das ersetzt keine persönliche Zuwendung, kann aber Sicherheit vermitteln und im Bedarfsfall Hinweise auf ungewöhnliche Situationen geben.
Menschen mit Behinderungen wünschen sich häufig mehr Selbstständigkeit bei der Steuerung ihrer Wohnumgebung. Dazu gehören zum Beispiel das Ein- und Ausschalten von Licht, das Bedienen von Fenstern oder Lüftungssystemen sowie das Einstellen der Heizung. Das kann durch smarte Steuerung umgesetzt werden. Dennoch bleibt persönliche Assistenz bei vielen Aktivitäten und insbesondere in Notfällen weiterhin wichtig.
Auch für Menschen mit kognitiven Einschränkungen können AAL-Systeme hilfreich sein. Tagesübersichten, Erinnerungsfunktionen und einfache Kommunikationsmöglichkeiten unterstützen die Alltagsstruktur. Wenn die räumliche Orientierung beeinträchtigt ist, können zudem Systeme zur Personenortung dazu beitragen, Sicherheit zu erhöhen und An- oder Zugehörige zu entlasten.


Viele ältere Menschen haben Berührungsängste mit neuer Technik. Wie unterstützen Sie dabei, die Systeme kennenzulernen und auszuprobieren?
Gabriele Schröder: Ich biete neben den individuellen Beratungen Gruppenführungen an. Meistens kommt es dabei zu lebhaften Diskussionen. Nach der Vorführung oder Erprobung hier vor Ort schwinden Berührungsängste meistens.
Die Technologien sollten für die Nutzenden einfach in Betrieb zu nehmen sein und wenn ich mit den Anbietern im Gespräch bin, ist es mir wichtig gute Bedienungsanleitungen und Services zu fordern. Bei komplexeren Systemen werden in der Regel Schulungen von den Firmen angeboten.


Welche technischen Entwicklungen sehen Sie als vielversprechend, damit Senior*innen möglichst lange sicher und selbstständig in den eigenen vier Wänden leben können?
Gabriele Schröder: Die zumeist bekannten Notrufsysteme mit einem Notrufknopf haben immer noch ihre Daseinsberechtigung. Die Technologien laufen in der Regel robust und können im Notfall für Hilfe oder Unterstützung sorgen. Was passiert, wenn Personen nicht in der Lage sein sollte einen Knopf zu drücken?
KI gestützte Software kann dabei helfen, aus Sensor- oder Messdaten (Verbrauch Strom und Wasser) Rückschlüsse auf Abweichungen von Tagesroutinen der Bewohner und Bewohnerinnen zu schließen. Das sind nicht immer Notfälle. Es können sich zum Beispiel auch Veränderungen zeigen, die auf mögliche Erkrankungen hinweisen. Ein Beispiel ist die Nachtaktivität.
Wenn Technik im Bereich der Sicherheit eingesetzt wird, macht es nur Sinn, wenn die Meldungen nach Möglichkeit immer zuverlässig entgegengenommen werden können und sich daran die notwendigen Handlungen anschließen.
Bei der Unterstützung im Alltag gibt es einige interessante sprachbasierte KI-Assistenten mit Erinnerungsfunktionen.

  • Aktuelle Fördermöglichkeiten / Zuschüsse für AAL-Systeme finden Sie HIER

Frau Schröder, vielen Dank für das Gespräch.

Kostenfreie Beratung zu Digitalen Lösungen / Smart Home / Digitalen Assistenzsystemen erhalten Sie bei: 
Gabriele Schröder
Telefon: 0173 5237 221, E-Mail: schroeder@barrierefrei-leben.de

Barrierefrei Leben e.V.
Beratungszentrum für technische Hilfen und Wohnraumanpassung
Haus für Barrierefreiheit
Alsterdorfer Markt 7
22297 Hamburg
www.barierefrei-leben.de/kontakt 

Zum Inhalt springen