Die Powalla Stiftungen engagieren sich seit vielen Jahren in unterschiedlichen gesellschaftlichen Bereichen. Ein besonderer Schwerpunkt liegt auf der Unterstützung älterer Menschen. In Hamburg-Lokstedt betreiben sie eine Seniorenwohnanlage für ältere unterstützungsbedürftige Menschen. Auch das Hamburger Bündnis für Wohnstifte hat die Powalla Stiftung von Beginn an eng begleitet und unterstützt dessen Arbeit bis heute maßgeblich mit. Mit einem neuen Stiftungshaus haben die Powalla Stiftungen nun einen repräsentativen Ort für ihre Arbeit geschaffen. Darüber sprechen wir mit Roman Bruhn, dem Vorstand der Powalla Stiftungen.
Die Powalla Stiftungen treten traditionell eher zurückhaltend auf und stellen ihr gesellschaftliches Engagement bewusst nicht in den Vordergrund. Nun haben Sie mit dem neuen Stiftungshaus in Harvestehude einen sehr repräsentativen Ort geschaffen. Was war Ihnen bei der Wahl und Gestaltung dieses Hauses besonders wichtig?
Roman Bruhn: Ich würde es eher so formulieren: Wir haben überhaupt nichts dagegen, wenn unsere Arbeit wahrgenommen und wertgeschätzt wird. Im Gegenteil, wir wollen ja die Erinnerung an unsere Stifter Lieselotte und Günter Powalla aufrechterhalten. Und genau hierzu dient auch das Powalla-Stiftungshaus in Harvestehude. Mit der Wahl genau dieses Hauses und der aufwändigen Restaurierung dieses Hamburger Baudenkmals wird das Andenken an unsere Stifter und ihr besonderes Lebenswerk dauerhaft verbunden sein.
Ist das neue Stiftungshaus im Nonnenstieg 1 auch ein Ausdruck davon, dass sich die Stiftung verändern oder weiterentwickeln möchte oder ist es vielmehr ein passender Rahmen für das, was Sie schon immer getan haben?
Roman Bruhn: Ja, die Stiftung will sich weiterentwickeln und dieses Haus für vielfältige Zwecke der Stiftungsarbeit nutzen. Natürlich nur im Rahmen unseres Stiftungszweckes, den wir nicht verändern, aber mit mehr Leben und Inhalt füllen wollen.
Gleichzeitig mit dem Umzug haben wir auch unser neues Corporate Design vorgestellt. Die in sich verschlungenen Buchstaben G und L für Günter und Lieselotte, die auf verschiedene Arten und Weisen schon früher unser Außenbild geprägt haben, halte ich in Verbindung mit dem gut lesbaren Namen Powalla für sehr gelungen. Dieses ist nun auch auf der relaunchten Webseite www.powalla.org zu bewundern, die in manchen Bereichen noch „under construction“ ist. Es lohnt sich also, ab und zu einmal vorbeizuschauen.
Das Haus soll nicht nur Verwaltungssitz sein, sondern auch ein Ort der Begegnung. Welche Rolle soll es künftig für Ihre Arbeit, Ihre Partner und vielleicht auch für die Stadtgesellschaft spielen?
Roman Bruhn: An einem konkreten Nutzungskonzept werden die Gremien unserer Stiftungen noch arbeiten. Ich kann mir aber sehr gut vorstellen, unsere Veranstaltungsräume auch für andere gemeinnützige Stiftungen zu öffnen und diese zum Beispiel für Gremiensitzungen, Versammlungen oder Informationsveranstaltungen zur Verfügung zu stellen. Hierbei denke ich auch und gerade an diejenigen Mitglieder des Hamburger Bündnisses für Wohnstifte, die über keine eigenen Sitzungsräume verfügen.
Ich würde mich freuen, wenn sich das Powalla-Stiftungshaus einen Namen macht als Hamburgisches Haus der Stiftungen.
Bei der Einweihung wurde zugleich deutlich, dass die Powalla Stiftungen ihr gesellschaftliches Engagement auch über das eigene Stiftungshaus hinaus zeigen, beispielsweise mit der Unterstützung des Notpflegeangebots der Bahnhofsmission. Wird das neue Haus künftig auch stärker sichtbar machen, wofür die Powalla Stiftungen stehen?
Roman Bruhn: Das Haus ist ein Statement an sich und soll zunächst einmal zeigen, dass es uns gibt. Jeder, der sich für die Eheleute Powalla und ihre Stiftungen interessiert, soll hier einen Anlaufpunkt bekommen. Mit dem Powalla Museum, das wir hier noch einrichten werden, soll man eine Idee davon bekommen, wer Powallas waren, wann, wo und wie sie gelebt haben und was ihr Antrieb war, die Früchte ihres Vermögens über gemeinnützige Stiftungen an die Gesellschaft zurückzugeben.
Die gediegene Atmosphäre der Gesellschaftsräume in unserer Beletage und die besondere Ausstrahlung dieses Hamburgischen Baudenkmals aus den 1910er Jahren sollen dabei auch zeigen, dass wir uns für die Bewahrung und Erhaltung von Werten engagieren – und uns damit besonders im Immobiliensektor gegen den Trend von Abriss und Neubau positionieren wollen.
Herr Bruhn, ganz herzlichen Dank für das Gespräch.
Das im Wachholtz Verlag erschiene Buch „Nonnenstieg 1“ zeichnet das wechselvolle Schicksal der Villa im 20. und 21. Jahrhundert nach, porträtiert den Bauherrn und seine Familie sowie das Stifter-Ehepaar Powalla und dokumentiert die aufwändige Restaurierung, durch die das Baudenkmal seinen ursprünglichen Glanz zurückgewinnen konnte. Ein mit vielen historischen Abbildungen und aktuellen Fotografien reich illustriertes Buch.
Matthias Gretzschel / Michael Zapf: Nonnenstieg 1 – Ein Baudenkmal in Hamburg-Harvestehude. 192 Seiten, 1. Auflage, ISBN-10: 3529087343, ISBN-13: 978-3529087349, € 32 Euro, über den Buchhandel und online erhältlich.






