
Anlässlich der Jubiläumsveranstaltung „5 Jahre Hamburger Bündnis für Wohnstifte“ am 13. November 2024 sprach Senatorin Karen Pein, Behörde für Stadtentwicklung und Wohnen, das Grußwort im Lichtwarksaal der Carl-Toepfer-Stiftung. Ihre wertschätzende Rede an die Bündnis-Mitglieder und alle teilnehmenden Gäste lesen Sie hier.
Sehr geehrter Beirat, sehr geehrte Sprecherinnen und Sprecher des Hamburger Bündnisses für Wohnstifte,
sehr geehrte Bündnismitglieder,
sehr geehrtes Verlegerehepaar Richter,
sehr geehrte Buchautorinnen und -autoren, sehr geehrter Herr Zapf,
verehrte Gäste,
es ist mir eine große Freude und Ehre, heute hier zu stehen, um das fünfjährige Bestehen des Hamburger Bündnisses für Wohnstifte zu würdigen. Das Bündnis repräsentiert die herausragende Tradition der Wohnstifte und gleichzeitig eine zukunftsgerichtete Vision für unsere Stadt.
Bereits im Hochmittelalter [13. Jh.] dienten Wohnstifte als Rückhalt für hilfsbedürftige Menschen und schufen die Grundlage für das, was wir heute als sozialen Wohnungsbau kennen. Mit den Wohnstiften entstanden Häuser, die mehr als nur ein Dach über dem Kopf boten: nämlich Orte, die Geborgenheit und ein Gefühl der Gemeinschaft ermöglichten. Heute, Jahrhunderte später, stehen viele dieser Gebäude immer noch in unseren Stadtvierteln – sie erzählen die Geschichte von Hamburg und sind Zeugen dieser traditionsreichen Kultur des sozialen Zusammenhalts.
Das Hamburger Bündnis für Wohnstifte setzt genau diesen historischen Auftrag fort und passt ihn an die Bedürfnisse unserer Zeit an. In den letzten fünf Jahren hat das Bündnis nicht nur beständig daran gearbeitet, die Wohnstifte zu erhalten, sondern auch eine moderne soziale Wohnraumversorgung vorangetrieben.
Was 2019 als Zusammenarbeit von rund 30 Wohnstiften begann, umfasst heute nahezu 50 Stiftungsmitglieder. Dabei bringt jedes Mitglied eine einzigartige Geschichte und ein individuelles Erbe mit. Das gemeinsame Ziel bleibt: bezahlbarer Wohnraum für alle – gerade auch für jene, die auf dem Wohnungsmarkt häufig benachteiligt sind. Die Wohnstifte sichern etwa 10.000 Wohnungen in Hamburg und leisten damit einen wesentlichen Beitrag zur sozialen Infrastruktur unserer Stadt.
Ein so weitreichendes Netzwerk wie das Bündnis ist in dieser Form einzigartig in Deutschland und zeigt, dass Hamburg – die bundes-weite Stiftungshochburg! – über eine ganz besondere Wohnkultur verfügt, die hier gepflegt und kontinuierlich weiterentwickelt wird. 101 Wohnstifte zählt das von meiner Behörde beauftragte und 2020 fertiggestellte Gutachten „Lagebeschreibung Hamburger Wohnstifte“ – 49 davon organisieren sich im Bündnis. Beide Zahlen finde ich beeindruckend.
Die positive Dynamik des Bündnisses zeigt sich auch in der Vielzahl der bewegten Themen und Projekte – oft im engen Austausch mit der Stadt und den zuständigen Behörden.
Hierzu gehören die barrierefreie Umgestaltung der Stiftswohnungen, die energetische Modernisierung und Instandsetzung der Gebäude bis hin zur Nachverdichtung in bereits bebauten Quartieren.
Die Themen Neubau und Nachverdichtung werden uns als wachsende und attraktive Metropole auch noch auf Jahre beschäftigen. Hierzu waren einige von Ihnen in Gesprächen mit dem Oberbaudirektor, Herrn Höing.
Als Stadt unterstützen wir mit verbesserten Förderkonditionen und konkreten Planungen zur Absenkung der Baukosten. Und ich möchte Sie alle ausdrücklich dazu einladen und ermutigen, Wohnraum zu entwickeln und Ihre Bestände behutsam zu erweitern. Es ist möglich, den Bestand auf die neuen Anforderungen unserer Zeit anzupassen, ohne dabei das historische Erbe aus den Augen zu verlieren.
Hervorheben möchte ich auch das Engagement des Bündnisses in unseren großen Stadtentwicklungsprojekten, wie etwa in den Wilhelmsburger Quartieren, in unmittelbarerer Nähe meiner Behörde: 5 Stiftungen haben Interesse an Grundstücken im Rathausviertel bekundet, 2 Stiftungen interessieren sich für Grundstücke im Elbinselquartier. – Das finde ich großartig.
Hier knüpfen die beteiligten Wohnstifte an eine historische Tradition an, denn an der Entwicklung eigenständiger Stiftungsquartiere wurde schon vor über 100 Jahren gearbeitet. Dabei geht es nicht nur um neuen, langfristig bezahlbaren Wohnraum, sondern auch darum, soziale und pflegerische Angebote zu integrieren, die den besonderen Bedürfnissen ihrer Bewohnerinnen und Bewohner gerecht werden. Der Ansatz steht damit im Einklang mit dem unlängst vom Senat verabschiedeten Aktionsplan „Agefriendly City – für ein altersgerechtes Hamburg“. Auch die gerade beschlossene Neufassung der Hamburger Bauordnung denkt ältere Menschen mit und schafft die Voraussetzungen für mehr barrierefreie Wohnungen.
Die Zusammenarbeit zwischen den Wohnstiften und den städtischen Behörden bildet dabei das Fundament, auf dem zukunftsfeste Visionen für Hamburg wachsen können. Im Rahmen eines kontinuierlichen Dialogs hat sich das Bündnis in den Jahren nach seiner Gründung zu einem zentralen Ansprechpartner und wertvollen Verbündeten der Stadt entwickelt.
Die von der Bürgerschaft initiierte und in meiner Behörde angesiedelte „Koordinierungsstelle Wohnstifte“ unterstützt bei Themen wie Barrierefreiheit und Nachverdichtung und hilft bei den wachsenden Herausforderungen, die der demografische Wandel und die Anforderungen im Wohnungsbau mit sich bringen. Mit der Geschäftsstelle des Bündnisses pflegt die Koordinierungsstelle einen vertrauensvollen Austausch.
Es ist eine große Aufgabe, bezahlbaren und würdigen Wohnraum langfristig zu sichern, und diese Aufgabe erfordert sowohl eine tiefe Verbundenheit zur Stadt, ihrer Geschichte und ihren Menschen, als auch die Bereitschaft, neue Wege zu beschreiten. Das Hamburger Bündnis für Wohnstifte zeigt, dass beides möglich ist.
Die Wohnstifte gelten uns als verlässliche Partner – und das nicht nur aufgrund ihrer Satzungsziele, die auf Beständigkeit und langfristige Dauer ausgelegt sind und damit die Verbindlichkeit und Ernsthaftigkeit ihrer Vorhaben unterstreichen.
In diesem Zusammenhang freue ich mich auch über Ihr gelungenes Buch, das heute vorgestellt wird. Mit der Publikation „Die Hamburger Wohnstifte“ entsteht eine Chronik und gleichzeitig eine inspirierende Dokumentation über die Geschichte und Bedeutung dieser Stiftungen.
Das Buch nimmt die Leserinnen und Leser mit auf eine Reise durch die Hamburger Stadtgeschichte und zeigt die baulichen und sozialen Errungenschaften der Stiftungen auf. Dabei werden Aspekte der Architektur, des Sozial- und Gemeinwesens sowie Besonderheiten der einzelnen Stadträume aufgegriffen. Die Chronik ist ein Geschenk an die Stadt und ihre Menschen und wird hoffentlich viele Hamburgerinnen und Hamburger inspirieren, sich für den Erhalt und die Weiterentwicklung dieser Wohnform zu engagieren.
Von den bekannten Stiftungsquartieren im Zentrum bis hin zu den neueren Wohnstiftprojekten in den Außenbezirken vermittelt das Buch eine Vorstellung von der Bandbreite und der Einzigartigkeit der Hamburger Wohnstiftungen und gibt zugleich einen Ausblick auf zukünftige Entwicklungen. Besonders gut gefallen mir die ausgewählten Beispiele für Stadtteil-spaziergänge, die zu Streifzügen durch die Quartiere einladen.
Ich freue mich mit Ihnen über dieses schöne Ergebnis, das im besten Sinne das Resultat Ihrer wertvollen Arbeit ist und eine Würdigung Ihres großen Engagements darstellt.
Meine sehr verehrten Damen und Herren,
Ihnen, den Mitgliedern des Hamburger Bündnisses für Wohnstifte, möchte ich nochmals herzlich zum ersten größeren Jubiläum gratulieren. Mit den ersten fünf Jahren und der Buchpublikation haben Sie gleich zwei Meilensteine auf einen Streich geschafft.
Sie setzen sich mit Herz, Verstand und einem tiefen Verantwortungsbewusstsein für unsere Stadt ein, und das verdient unseren größten Dank und unsere volle Anerkennung.
Möge das Bündnis weiterhin wachsen und in den kommenden Jahren noch viele erfolgreiche Projekte hervorbringen.
Vielen Dank.

